Intensive Aufzucht für langlebige Milchkühe

Milchhof Große Kintrup setzt auf neues Kälbermanagement

Sind als Team erfolgreich (v. li.): Herdenmanager Tobias Adler, Elias Schulze Lefert (AGRAVIS Raiffeisen AG), Johannes Wöstmann (Raiffeisen Bever-Ems eG) und Dominique Jeske (AGRAVIS Raiffeisen AG).
Durchfall, Flechte, Grippe – Tobias Adler weiß, wie die Kinderkrankheiten den Kälbern zusetzen können. Vor vier Jahren waren es dem Herdenmanager des Milchhofs Große Kintrup in Münster-Handorf noch zu viele Krankheiten, die seinen jüngsten Schützlingen den Start ins Leben erschwerten. So erarbeitete er gemeinsam mit Dominique Jeske, AGRAVIS-Spezialberaterin für Kälber, und Elias Schulze Lefert, AGRAVIS-Spezialberater Rind, Schritt für Schritt ein neues Managementsystem für die Kälberaufzucht. Heute liegen die Kälberverluste nur noch bei 1,8 Prozent, die Tierarztkosten für die Kälber liegen bei nahezu Null.

Biestmilchmanagement

„Wir haben jeden Schritt im System unter die Lupe genommen und einiges auf Links gedreht“, wirft Tobias Adler einen Blick zurück. Als erstes wurde das Biestmilchmanagement verändert: Die erste Mahlzeit der Kälber besteht aus Biestmilch der Mutterkuh. „Das haben wir schon immer so gemacht“, erklärt Adler. „Jetzt testen wir aber bei jeder Kuh die Biestmilchqualität. Ist die Qualität nicht ausreichend, bekommen sie nun eine Tube Miravit Oramun Plus.“ Dominique Jeske ergänzt: „Dieses Ergänzungsfuttermittel sichert bei neugeborenen Kälbern die zusätzliche Versorgung mit Immunglobulinen, Eisen und Vitaminen bei mangelhafter Biestmilchqualität oder -menge. Dadurch werden die Tiere widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten.“

Ad libitum Fütterung

Eine weitere wichtige Änderung wurde mit der Einführung der ad libitum-Fütterung durchgeführt: In den ersten drei Lebenswochen erhalten die Kälber zehn Liter Vollmilch am Tag. Dabei bleibt der Eimer Tag und Nacht vor dem Iglu hängen, sodass die Kälber jederzeit Zugang zur Milch haben. Mit Kälbertafeln an jeder Box hält der Herdenmanager mehrmals am Tag fest, wie viel Milch schon getrunken wurde. Für eine bessere Eisenversorgung wird Miravit MilkIdeal in die Vollmilch eingerührt – insgesamt 100 Gramm pro Tier und Tag. „Vor allem für eine ausreichende Versorgung mit Eisen ist der Einsatz des Ergänzungsfuttermittels bei der Vollmilchtränke ein Muss“, macht die Beraterin deutlich. „Wir haben festgestellt, dass sich die Kälber dadurch besser entwickeln, agiler und vitaler sind “, fügt Adler hinzu. Außerdem erhalten die Kälber von Anfang an Wasser und Combikorn Kälbermais zur freien Verfügung.

Von Vollmilch auf Milchaustauscher

Nach 21 Tagen ad libitum-Vollmilchtränke werden die Tiere auf den Milchaustauscher Combimilk Spezial umgestellt und erhalten insgesamt acht Liter am Tag. „Wir stellen relativ früh um, da die Kälber nach drei Wochen auf die Aufzuchtbetriebe in Greven und Ahaus kommen“, erläutert Adler. „Dadurch sind sie schon an den Milchaustauscher gewöhnt, wenn die Umstallung erfolgt, und wir erzeugen keinen zusätzlichen Stress durch die Futterumstellung.“ Combikorn Kälbermais wird noch einige Wochen gefüttert. Erst später werden die Tiere an Gras- und Maissilage gewöhnt. Darüber hinaus besteht ein strenges Hygienemanagement auf dem Betrieb. So werden die Abkalbeboxen nach jeder vierten Kalbung, spätestens aber nach 14 Tagen entmistet und täglich neu eigestreut. Auch die Kälberiglus werden täglich eingestreut und nach jedem Kalb gereinigt und desinfiziert. Außerdem hat jedes Kalb seinen eigenen Eimer. So wird die Belastung durch Keime gering gehalten.

Langlebige Milchkühe

Nach zwei Jahren kommen die Jungtiere tragend zurück. „Wenn die Tiere in die Laktation kommen, zeigt sich, wie fit sie wirklich sind“, verdeutlicht AGRAVIS-Spezialberater Elias Schulze Lefert. „Den Grundstein dafür legt der Betrieb aber schon ab dem ersten Lebenstag. Die Erfahrungen auf dem Milchhof Große Kintrup zeigen: Insbesondere wenn die weibliche Nachzucht für die Remontierung der Milchviehherde genutzt wird, zahlt sich die intensive Aufzucht aus. Dann kann der Betrieb auf leistungsstarke, gesunde und langlebige Milchkühe im Stall setzen.“

Tobias Adler freut sich, dass das System greift. „Seit der Einführung haben wir deutliche Verbesserungen erzielt: Die Kälber haben weniger Krankheiten, entwickeln sich besser und sind später vitale Milchkühe. Jede einzelne Maßnahme für sich ist wichtig, aber erst alle gemeinsam, die dazu passenden Produkte und eine gute Beratung bringen ein sichtbares und messbares Ergebnis.“

Infos gibt es bei Dominique Jeske, Telefon 0173 . 7293226 oder dominque.jeske@agravis.de.



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